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Berlin

Stadt der Freiheit?

Dieser Slogan wirft bei mir sofort die Frage auf, ob es hier tatsächlich mehr Freiheit gibt als anderswo in Deutschland, Europa oder der Welt. Ehrlich gesagt bin ich mir da nicht so sicher. Zumindest nicht grundsätzlich.


Für mich steht diese Aussage vor allem für eine Stadtmarke. Vor ein paar Jahren löste sie den Slogan „be Berlin“ ab, davor gab es Kampagnen wie „Berlin tut gut“ oder „Mir geht’s Berlin“. Vieles davon hat mit Außendarstellung und Tourismus zu tun. Berlin verkauft sich gern als Ort der Möglichkeiten, der Offenheit und des Andersseins.


Ich habe allerdings den Eindruck, dass der große Berlin-Hype längst vorbei ist. Vor fünfzehn oder zwanzig Jahren wirkte die Stadt eigenwilliger, improvisierter und vielleicht auch aufregender. Besonders die Zeit nach der Wende hatte ihren ganz eigenen Geist. Heute ist Berlin eine ganz andere Stadt und irgendwie alle fünf Jahre wieder wie neu erfunden. Dabei wirkt es manchmal, als hätte sich Berlin irgendwann selbst verloren. Alles verändert sich. Berlin ist die Stadt der Veränderung. Und irgendwann verändert sie auch die Menschen, die hier leben.


Berlin macht heute oft einsam. Früher zog die Stadt Menschen an, die anders leben wollten. Wehrdienstverweigerer, Künstler, Schwule, Aussteigerinnen, schräge Alteingesessene und Menschen, die einfach irgendwo neu anfangen wollten. Vieles wirkte ungeordneter, aber vielleicht auch freier.


Wenn man hier zuhause ist, so wie ich, dann ist Berlin einfach eine normale Stadt. Groß, aber nicht so groß wie London. Nicht unbedingt schön, eher schön chaotisch. Und trotz ihrer Größe erstaunlich überschaubar. Früher hatten manche Gegenden noch etwas Piefiges. Das ist heute verschwunden.


Natürlich ertappe ich mich manchmal bei dem Gedanken, dass früher manches besser war. Wahrscheinlich war es vor allem anders. Keine Smartphones, keine sozialen Netzwerke, weniger Dauerpräsenz. Das Leben war umständlicher, aber dafür direkter und persönlicher. Ich bin froh, das analoge Zeitalter noch erlebt zu haben. Die 1990er Jahre hatten etwas Freieres, zumindest in meiner Erinnerung.


Aber bedeutet Berlin heute wirklich Freiheit?


Gerade als Sexarbeiterin sehe ich da Grenzen. Vielleicht ist es im KitKat oder in bestimmten Szenen kein Problem, sich als Escort zu outen. Doch bei der Wohnungssuche, auf dem neunzigsten Geburtstag der Großtante oder im Lebenslauf sieht es anders aus. Auch in Berlin bleibt Sexarbeit für viele etwas, das besser unsichtbar bleiben soll.


Und die Reaktionen unterscheiden sich je nach Kiez vermutlich deutlich. Zwischen Kreuzberg und Mahlsdorf liegen Welten. Wobei…? Da gab es ja auch ’mal eine gewisse Charlotte von Mahlsdorf.

Ja, liebe Mel, auch ich, der hier in Berlin geboren und aufgewachsen ist, vergleiche immer wieder das Berlin von früher und das jetzige. Natürlich hat sich viel, wie sicher überall, verändert. Aber speziell in Berlin ging man mit den Veränderungen irgendwie lockerer um. Was die Sexarbeit betrifft, glaube ich, wie du, auch nicht, dass es dabei hier freier ist. Das Tabu gab es immer und das ist auch heute in allen Bereichen noch so - leider

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