Spätestens seit Madonna ihren Song über Dominanz veröffentlichte, war SM zum Lifestyle geworden.
Sie hat mit ihrem Album „Erotica“ und dem dazugehörigen Bildband „Sex“ (1992) BDSM und Fetisch-Ästhetik radikal in den Mainstream gerückt. Während SM davor eher im Verborgenen stattfand, machte sie daraus ein popkulturelles Statement über Selbstermächtigung und weibliche Dominanz.
Es schuf sich der Begriff Femdom und Lack und Leder waren im Grunde in der Mode fest angekommen. Ohne dass wir uns dessen bewusst wurden, ging ein gewisser Reiz vom Unbekannten Gebiet wie eine Erschütterung aus, auf dem weibliche Suprematie bis heute kultiviert wird wie eine außergewöhnliche, exotische, wundervoll und fantasievoll geschaffene Pflanze, die sich einpflanzt in unsere Wahrnehmung von uns selbst und darüber hinaus, sich entfaltet und Ableger entwickelte, die auch in der Literatur und Mode als solcher ankamen und blieben.
Eine „ästhetische Kolonialisierung“ unseres Alltags begann. Was früher als dunkles Geheimnis galt, wurde durch Madonna und die nachfolgende Popkultur zu einer Design-Sprache.
Der Begriff Femdom hat sich dabei von einer reinen Nischenbezeichnung zu einem kulturellen Code für weibliche Autonomie entwickelt. Lack und Leder sind heute keine Kostüme mehr, sondern Signalstoffe für Macht und Unnahbarkeit, die auf den Laufstegen von Paris bis Mailand fest verwurzelt sind. Außerdem können und dürfen wir sie täglich tragen und verkörpern darin, was wir uns wünschen oder andere gerne in uns sehen möchten. Diese „exotische Pflanze“ hat das Bild der Frau von der passiven Muse zur gestaltenden Herrscherin transformiert.
Diese Ableger finden sich heute überall:
- In der Mode: Power-Dressing mit Korsage und Overknee-Stiefeln ist heute Business-Chic.
- In der Literatur: Die Erkundung von Machtdynamiken ist ein eigenes, riesiges Genre geworden.
- Im Selbstbild: Die spielerische Dominanz wird als Werkzeug der persönlichen Freiheit begriffen.
Es bleibt eine Herausforderung an die eigenen Fantasie gerichtet, wie Elemente wie Leder oder Corsagen, Lack, Leder oder auch Nylon und sogar Plastik und Polyester oder Latex und vor allem die "Farbe" Schwarz in den persönlichen Stil einfließen lassen will, und wie man so täglich einen gewissen Lebensstil pflegt und verkörpert, der im Grunde einem sadomasochistischen Livestyle folgt.
Den Fetisch nicht nur als Kostüm zu tragen, sondern als geheimes Fundament und als Kleidung zu gestalten und in den Alltag zu integrieren und so einzuflechten, dass man spürt, wie er am Körper lebendig wird und lebt und atmet. Es ist ein Spiel mit der Spannung zwischen dem, was sichtbar ist, und dem, was nur die Trägerin (oder der Eingeweihte) weiß und unaufgeklärt wissen kann. Das ist die Kunst der Darstellung im täglichen Leben, wenn Domina nicht nur eine Rolle ist, sondern du in dieser ganz selbstverständlich beim Bäcker oder im Supermarkt auftrittst.
Wer diesen Lebensstil täglich pflegt, nutzt die Materialien oft zwar als psychologische Rüstung:
- Leder & Latex: Sie wirken wie eine zweite Haut, die Distanz schafft und gleichzeitig die eigene Präsenz durch Haptik und den spezifischen Duft ständig präsent hält. Jeder Atemzug lässt dich spüren, was du trägst, und macht dich sichtbar und auffällig.
- Bei Corsagen & Nylon geht es noch mal mehr um das Tragegefühl, aber im Hinblick auf Kontrolle und Disziplin. Der Druck einer eng geschnürten Corsage unter der Business-Bluse oder das feine Rascheln von Nylon sind permanente, private Erinnerungen an diese Rolle.
- Schwarz dient als Leinwand, die Autorität ausstrahlt und den Fokus rein auf die Silhouette und die Beschaffenheit der Materialien lenkt.

