was weißt du über marquis de Sade? Seinen vornamen kennen die wenigsten, Donatien Alphonse François, bekannt als Marquis de Sade (1740–1814). Er wurde ungewollt zum Namensgeber einer ganzen Ideolgie, nämlich der, in der diese heutige Zeit auf höchstem kulturellen Niveau, wie sie meint, in sich selbst schwingt und feststeckt. Im Zentrum steht die Annahme, dass jeder Genuss und alle Freude den Preis der Anstrengung, Hingabe und Auslieferung an eine Arbeit bedeutet, unter der du Leistung erbringen sollst, bevor du Lust erleben darfst. Würde Marquis de Sade in diese unsere Zeit schauen können, er würde sich nicht wundern, wie konsequent und rücksichtslos sie in einen sadomasochistischen Zusammenhang geraten ist. Stolz könte er von sich sagen: Sehr ihr, ich habe es euch doch damals geschrieben und ihr alle folgt meinen Feststellungen nach.
Er war ein französischer Adliger, radikaler Philosoph und Schriftsteller, dessen Name zum Ursprung des Begriffs Sadismus wurde. Er ist vor allem für seine literarischen Werke bekannt, in denen er extreme sexuelle gewaltfantasien mit atheistischen und materialistischen Diskursen verknüpfte. Sehen wir uns heute in dieser Welt oder im Internet um, dann finden wir genau vor, was er damals beschrieb: Die Tugend kann ebenso zum Unglück umgemünzt werden, wie die höchsten moralischen Grundsätze eine feste Haltung bilden können.
De Sade verbrachte insgesamt etwa 27 Jahre seines Lebens im Gefängnis oder in Irrenanstalten (wie der Bastille und Charenton). Grund dafür waren sowohl reale sexuelle Übergriffe als auch seine als skandalös und gotteslästerlich empfundenen Schriften.
Die meisten seiner Werke entstanden in Gefangenschaft, darunter Die 120 Tage von Sodom, Justine und Juliette. Napoleon Bonaparte bezeichnete Justine als das „abscheulichste Buch“, das je geschrieben wurde. Napoleon war ein großer Feldherr, der ganze Heere in die Vernichtung führte. Hätte er mehr gelesen, was er für "abscheulich" hielt, vielleicht hätte er sich selbst und seine gewaltbereitschaft erkennen können?
Marquis de Sade sah sich selbst als „Galilei der menschlichen Seele“. Seine Texte sind oft von langen Passagen unterbrochen, in denen er eine Weltanschauung vertritt, die jede göttliche Ordnung ablehnt und die Natur als grausam und amoralisch darstellt.
Ist nicht unsere Zeit jetzt so geworden? Kirche und Glauben
verlieren ihre Anhängerinnen und Anhänger. Die Widersprüche zwischen Seelenheil und missbrauch werden größer und größer.
Der Begriff Sadismus wurde 1866 vom Psychiater Richard von Krafft-Ebing geprägt, um sexuelle Lust durch das Zufügen von schmerz zu beschreiben – basierend auf de Sades literarischen Schilderungen. Doch Krafft-Ebings Interpretation war von Beginn an unzureichend.
Während der Französischen Revolution wurde De Sade zeitweise zum Jakobiner und rettete sogar seine Schwiegereltern vor der Guillotine, entging später aber selbst nur knapp der Hinrichtung.
Im 20. Jahrhundert wurde er von Denkern wie Adorno, Horkheimer und den Existentialisten sowie den Surrealisten als Pionier der radikalen Freiheit und Aufklärung neu bewertet!
Und heute ist SM als Lebensstil in Gesellschaft und Mode und Sexualität längst als Bestandteil angekommen. Dazu brauchen wir nicht erst Literatur wie 50 Shades oder ähnliches.

