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KitKat, Insomnia...

Berliner Partynächte

Mit 23 war ich zum ersten Mal im KitKat. Damals noch in Kreuzberg. Mein damaliger Freund, ein Psychiater, wollte da unbedingt hin. Also tat ich ihm den Gefallen. Ich kannte solche Läden noch nicht und hatte null Vorstellungen.


„Schön" fand ich die Location nicht. Es war das übliche Berliner Publikum mit Bier, nur in neuer Szenerie, sich gegenseitig beobachtend. Immerhin war mein Ex nicht besonders spießig. Ihn störte auch nicht, dass ich in dieser Nacht jedenfalls nicht mit ihm „in diesem Club zusammenkam".


Das ist meine erste KitKat-Erinnerung. Und oft war ich später nicht mehr dort.


Letztes Wochenende habe ich einen sehr attraktiven südosteuropäischen Mann, Typ Fitness-Influencer, getroffen, der mich schon mal gebucht hatte. Einer von diesen Typen, bei denen man sich wirklich nicht denkt, dass sie Paysex „brauchen". Jedenfalls ist er an der Türpolitik des neuen KitKat an der Heinrich-Heine-Straße gescheitert. Und dafür habe ich null Verständnis.


Männer allein im Berliner Nachtleben, mit leicht südlichem Teint und diesem „alpha-straighten" Erscheinungsbild – das scheint schwierig zu sein. Und ganz ehrlich: Clubs, die sich aus einer Freiheits-Tradition ableiten, sollten deutlich inklusiver sein.


Was mich zusätzlich genervt hat: Sie fragten ihn an der Tür, was denn das Motto der Party sei. Als ob man eine Prüfung bestehen muss, um in einen Club zu gehen. Wer spontan kommt oder zum ersten Mal dort ist, kann das gar nicht beantworten – und genau das ist der Punkt. So sortiert man Leute aus, ohne offen sagen zu müssen: Wir wollen dich hier nicht haben.


Dabei wäre es so einfach: Klare Regeln an der Tür, meinetwegen „keine Turnschuhe", und dann reinlassen. Wenn sich jemand danebenbenimmt, kann man die Person immer noch rausschmeißen. Aber präventiv nach Geschmack selektieren, während man sich als sex-positiv und weltoffen vermarktet? Das passt nicht zusammen.


Wenn man Escort macht, braucht man kein KitKat.


Bessere Erfahrungen hatte ich mit dem Insomnia. Das fand ich nicht nur lustig, sondern wie aus einer anderen Welt. Dieser Ort hatte etwas von einem Ballsaal aus dem Fin de Siècle. Ich war oft dort. Vielleicht nicht jedes Wochenende, aber mehrmals im Monat. Das hatte etwas von Karneval: Man fühlte sich bestens unterhalten, und man merkte, dass die Leute dort eine Vision hatten. Ja, es war hedonistisch, aber es hatte auch Zwanziger-Vibes. Es war wirklich offen.


Ich habe dort manches Silvester verbracht, war dort mit Internetdates, auf einer Gangbang-Party. Eine Veranstalterin fragte mich irgendwann, ob ich nackt Süßigkeiten verteilen will. Ich bin keine Nudistin, aber ich wurde künstlerisch wertvoll mit Körperfarbe angemalt und habe eine Nacht lang Süßigkeiten an die Leute verschenkt. Klingt banal, werde ich aber nie vergessen.


Wobei ich nie im Zentrum stand. Ich bin von Hause aus eher zurückhaltend. Aber es fühlte sich immer gut an. Und wenn Typen kleidungstechnisch nicht in den Laden passten, gab man denen an der Garderobe notfalls Ersatzkleidung. Im Prinzip wurde jeder reingelassen. Das finde ich tausendmal besser, als Leute an der Tür abzuservieren.


Ich kann verstehen, wenn man wählerisch ist oder sein muss. Ich kann auch nicht jeden treffen. Aber bei einem Club, wenn die Leute nicht aggressiv wirken oder völlig blau sind, sollte man doch offen sein.

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